Börsenrückblick und Ausblick

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 14. bis 18. Dezember 2020

Diese Woche: Zuversicht sorgt für Zugewinne an den Aktienbörsen

Mit den Fortschritten bei den Verhandlungen zum US-Konjunkturpaket und der Zulassung eines weiteren Corona-Impfstoffes von Moderna nahm die Zuversicht der Anleger in der Berichtswoche wieder zu. Die globalen Aktienindizes befinden sich weiter im Aufwärtstrend oder konsolidieren zumindest auf hohen Niveaus. Die Stimmungsindikatoren verweisen auf einen hohen Optimismus unter den Anlegern. Sichere Staatsanleihen aus den USA und Deutschland gerieten angesichts der höheren Risikobereitschaft leicht ins Hintertreffen. Kursverluste sorgten dort im Wochenvergleich für leicht ansteigende Renditen.

US-Notenbank Fed mit letztem Treffen kurz vor Jahresende

Die US-Notenbank Fed hat am Mittwoch auf ihrer letzten Sitzung im laufenden Jahr einen recht deutlichen Ausblick zu ihren monatlichen Anleiheankäufen gegeben. Nach der vor drei Monaten offensiven Ausrichtung hinsichtlich des Zinspfades (die Zinsen bleiben niedrig) wird die expansive Geldpolitik auch bei den Anleiheankäufen eine entsprechend expansive Positionierung finden. Die Untergrenze von 120 Milliarden US-Dollar monatlich für US-Treasuries (80 Milliarden US-Dollar) und hypothekenbesicherte Wertpapiere/MBS (40 Milliarden US-Dollar) wird beibehalten. Und nunmehr zwar so lange, bis bei den beiden FOMC-Zielen Vollbeschäftigung und Preisstabilität substanzielle Fortschritte zu erkennen sind. Die Fed hat sich mit dem Erreichen dieser ökonomischen Ziele nun klarer positioniert, da zuvor nur von einer mehrere Monate dauernden Marktunterstützung die Rede war. Es ist nun davon auszugehen, dass die Anleihekäufe über das Gesamtjahr 2021 hinweg beibehalten werden. Zudem ergab sich damit aus dem Fed-Statement die zentrale Botschaft, dass bis auf weiteres, zumindest bis Ende 2021, kein Zurückfahren der Anleiheankäufe (Tapering) zu erwarten ist. Darüber hinaus hält die große Mehrheit der FOMC-Mitglieder das derzeitige Zinsniveau bis einschließlich 2023 für angemessen.

Gute China-Daten in der Berichtswoche

Die chinesische Volkswirtschaft scheint dem jüngsten Datenkranz zufolge weiter auf solidem Pfad. Im November nahm die Industrieproduktion gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent zu. Auch belebten sich die Einzelhandelsumsätze, die gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent anstiegen. Zudem lagen die Investitionen der privaten Unternehmen erstmals seit längerem wieder im Plus. China ist damit hinsichtlich des Wachstums beim Bruttoinlandsprodukt auf Kurs und dürfte unserer Schätzung nach die Marke von knapp sechs Prozent im 4. Quartal ansteuern.

Deutschland: Ifo-Geschäftsklimaindex besser als erwartet

Die in der Berichtswoche für den Euroraum veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes können zusammenfassend als solide bezeichnet werden. In Deutschland sorgte die globale Nachfrage für ein gutes Ergebnis im verarbeitenden Gewerbe. Besonders positiv fiel der Dienstleistungssektor in Frankreich auf, der deutlich zulegte und die Erwartungen entsprechend übertraf. Der am heutigen Freitag veröffentliche Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland fiel im Dezember mit 92,1 Punkten deutlich höher als erwartet (Bloomberg: 90 Punkte) aus.

In den USA verharrte der für den dortigen Immobilienmarkt wichtige NHAB-Index auf hohem Niveau. Für Enttäuschung sorgten hingegen die Einzelhandelsumsätze im November, die einen Rückgang um 1,1 Prozent verzeichneten.

Der Euro setzte in der Berichtswoche seinen Höhenflug fort. In der Spitze waren 1,227 US-Dollar je Euro zu bezahlen. Die Gemeinschaftswährung wertete damit im bisherigen Jahresverlauf um rund neun Prozent auf.

Diese Woche

  • Zuversicht sorgt für Zugewinne an den Aktienbörsen
  • Aktien: US-Börsen mit neuen Rekordständen in der Berichtswoche
  • Renten: Kursverluste bei den Staatsanleihen
  • Ausblick: Feiertagsbedingt nur wenige Daten

Aktien: US-Börsen mit neuen Rekordständen in der Berichtswoche

Die großen Aktienbörsen tendierten in der Berichtswoche bis Freitagvormittag freundlich bis fest. Mit Blick auf die Gesamtentwicklung legte der MSCI World in der Berichtswoche zwei Prozent hinzu. Für 2020 ergibt sich hieraus bislang ein Plus von rund 13 Prozent.

In den USA standen die Fortschritte bei den Verhandlungen zum Fiskalpaket und die Notfallzulassung eines weiteren Corona-Impfstoffs von Moderna im Vordergrund. Dow Jones Industrial Average und S&P 500-Index gewannen bis Handelsschluss Donnerstag 1,0 beziehungsweise 1,5 Prozent hinzu. Der Nasdaq legte um 2,8 Prozent zu. Alle drei Indizes erzielten damit in der Berichtswoche historische Höchststände. Seit Jahresbeginn liegen alle großen US-Indizes nun bis kurz vor Weihnachten im Plus. Die Technologiebörse Nasdaq legte gegenüber Ende Dezember 2019 um beeindruckende 46 Prozent zu.

Im Euroraum stiegen DAX 30- und EUROSTOXX 50-Index im Fahrwasser der US-Börsen um zwei beziehungsweise vier Prozent an. Letzterer liegt mit Blick auf die Entwicklung im Jahr 2020 allerdings noch mit fünf Prozent im Minus. Der DAX 30-Index weist hingegen mit drei Prozent eine leicht positive Jahresentwicklung auf. Der für Europa marktbreite STOXX Europe 600-Index gewann 1,6 Prozent hinzu, liegt seit dem Jahresstart allerdings noch mit 4,7 Prozent im Minus.

Banken dürfen wieder (etwas) Dividende zahlen

Die europäische Regulierungsbehörde hat nach Presseberichten ihr De-facto-Verbot von Bankdividenden aufgehoben, der Ausschüttung zugleich aber restriktive Obergrenzen gesetzt. Die Entscheidung wurde marktseitig mit einer gewissen Enttäuschung aufgenommen, war man doch von einer großzügigeren Regelung ausgegangen. Die EZB zeigte sich damit gegenüber dem Bankensektor deutlich strenger als etwa die Bank of England, die sich in der Vorwoche generöser gegenüber den Anlegern zeigte. Im Rentensektor reagierten zumindest nachrangige Bankanleihen, sogenannte CoCo-Bonds, positiv und mit Zugewinnen auf die Entscheidung.

STOXX Europe 600 Bankenindex nur leicht im Plus

Im STOXX Europe 600-Index spiegelte sich die Enttäuschung der Anleger entsprechend im Bankensektor wider. Im insgesamt freundlichen Marktumfeld gewannen Banktitel mit 0,9 Prozent nur leicht hinzu. Andere Sektoren wie Autos und Zulieferer (plus 5,1 Prozent), Einzelhandel (plus 3,7 Prozent) oder Grundstoffe (plus 3,6 Prozent) konnten hingegen deutlich zulegen. Öl-&Gastitel standen mit minus 0,9 Prozent als einzige Branche im Minus. Auch für das gesamte Jahr 2020 lagen die Energiewerte mit rund 26 Prozent im Minus. Der Bankensektor gab um 24 Prozent nach. Branchengewinner ist im bisherigen Jahresverlauf der Technologiesektor, der knapp zwölf Prozent hinzugewann.

Renten: Kursverluste bei den Staatsanleihen

Sichere Staatsanleihen erlitten in der Berichtswoche angesichts der risikofreundlichen Stimmung Kursverluste. Am US-Staatsanleihemarkt war über die langen Laufzeiten eine leicht steilere Zinskurve zu beobachten. Der Renditeanstieg am langen Ende der Zinskurve betrug bis zu sechs Basispunkte. Ein ähnliches Bild bot der Markt für deutsche Bundesanleihen, dort erhöhten sich die Renditen um acht (10 Jahre Laufzeit) beziehungsweise zehn Basispunkte (30 Jahre Laufzeit). Wenig Effekt hatte die Ankündigung des Bundes, seine Anleihefinanzierung im kommenden Jahr auf einen neuen Rekordwert von etwas über 240 Milliarden Euro zu steigern. Die Finanzagentur wird damit das Emissionsvolumen gegenüber dem Vorjahr um schätzungsweise circa 16 Milliarden Euro erhöhen.

Rendite-Spread Italien/Deutschland auf Tiefstand

Der Renditeanstieg umfasste aber auch die Peripheriemärkte. Dort stieg die Verzinsung im Zehnjahresbereich um bis zu zehn Basispunkte (Griechenland) an. Der Spread italienischer Staatspapiere gegenüber deutschen Bundesanleihen im Zehnjahresbereich war zuvor mit 110 Basispunkten auf ein neues Tief gefallen. Insgesamt prägten in der Berichtswoche leichte Verluste den Euro-Staatsanleihemarkt. Für das Gesamtjahr (iBoxx Euro Sovereigns-Index) ergibt sich per Stand 17. Dezember aber ein Plus von rund fünf Prozent. Der US-Staatsanleihemarkt (JP Morgan GBI US) stieg seit Jahresbeginn um 8,2 Prozent an.

Ausblick auf die kommende Woche

Durch die feiertagsbedingt längere Handelspause stehen nur wenige volkswirtschaftliche Daten zur Veröffentlichung an. Hierzu zählen mit Blick auf die Marktrelevanz in erster Linie volkswirtschaftliche Zahlen aus den USA.

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