Börsenrückblick und Ausblick

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 27. September bis 1. Oktober 2021

Diese Woche: Wachstumssorgen in China

In den vergangenen Handelstagen agierten viele Marktteilnehmer wieder etwas vorsichtiger. Zu den schon seit einiger Zeit bestehenden Problemen mit den globalen Lieferketten, einer hohen Inflation und den Plänen der großen Notenbanken, ihre Geldpolitik zukünftig weniger expansiv auszurichten, gesellten sich nun weitere die Märkte belastende Nachrichten. So gab es neue Hiobsbotschaften aus China. Darüber hinaus ist in den USA ein „Unfall“ bei der Anhebung der Schuldenobergrenze nicht gänzlich auszuschließen. Aktien gaben daher in der Berichtswoche spürbar nach.

Stromausfälle dürften Wachstum in China weiter verlangsamen

Der ins Straucheln geratene chinesische Immobilienentwickler Evergrande hat eine Bank-Beteiligung verkauft und sich damit etwas Liquidität verschafft. Dementsprechend erholte sich der Aktienkurs ein wenig. In dieser Woche gab es nun neue Hiobsbotschaften aus China: Viele Provinzen kämpften mit Stromausfällen, auch einige Millionenstädte waren betroffen. Die Regierung in Peking hatte zu Jahresbeginn strikte CO2-Obergrenzen vorgegeben, um Klimaziele zu erfüllen. Doch die Zielmarken wurden vielfach schon im Sommer überschritten, weshalb die Regierung nun hart durchgriff und viele Fabriken abgestellt wurden. Ein Grund ist aber auch, dass die Energieversorger die gestiegenen Preise für Gas und Kohle – die zur Stromerzeugung benötigt werden – nicht an den Endverbraucher weitergeben können. Somit ist es schlichtweg zu teuer, weiterhin Strom zu produzieren. Die Sorge vieler Marktteilnehmer ist nun, dass diese Phase etwas länger andauern könnte. Dann würden die Volkswirte ihre Wachstumsprognosen wohl erneut nach unten anpassen müssen.

Poker um US-Haushalt und die Schuldenobergrenze geht in eine neue Runde

In den USA muss derzeit der US-Haushalt für das nun startende Fiskaljahr abgestimmt werden. Gleichzeitig läuft die Übergangsregel für die Aussetzung der Schuldenobergrenze aus, auch hier braucht es eine Lösung. Die Differenzen zwischen Demokraten und Republikanern im US-Kongress sind bekannt und werden in Momenten wie diesen besonders deutlich. So verwundert es nicht, dass es die inzwischen 80. Auflage einer solchen Debatte ist. Konsens unter den Marktteilnehmer ist zwar, dass man sich wohl kurz vor knapp noch einigen wird. Je näher aber der Zeitpunkt der möglichen Zahlungsunfähigkeit kommt, desto größer ist auch die Gefahr eines Unfalls. Finanzministerin Janet Yellen warnte daher eindrücklich, dass den USA schon Mitte Oktober das Geld ausgehen könnte. Hebt der Kongress die Schuldenobergrenze nicht an, kann Yellen keine neuen Staatsanleihen ausgeben lassen, um die laufenden Ausgaben zu decken.

Im Repräsentantenhaus verfügen die Demokraten über eine ausreichende Mehrheit. Ihr Gesetzentwurf wurde jedoch im Senat am Montag von den Republikanern geblockt. Die Opposition möchte die Abstimmung zur Schuldenobergrenze gern mit dem Konjunkturpaket von Joe Biden verknüpfen, weil sie weiß, dass das Paket auch unter den Demokraten Kritiker hat und so womöglich doch nicht verabschiedet würde. Den Demokraten bleibt noch ein Sonderweg, den sie ohne Beteiligung der Republikaner gehen könnten. Dann droht aber die Gefahr, dass der politische Gegner sie bei den Zwischenwahlen im kommenden Jahr als Geldverschwender darstellen könnte. Die Demokraten zögern daher noch diesen Weg zu beschreiten.

Ausgang der Bundestagswahl blieb ohne Auswirkungen auf die Börse

Die Wahlen zum 20. Deutschen Bundestag haben ein knappes Ergebnis gebracht. Zusammensetzung und Führung der nächsten Bundesregierung sind vor diesem Hintergrund noch völlig unklar. Mit den neuen Mehrheitsverhältnissen sind mehrere Konstellationen möglich. Aufgrund der wirtschaftspolitischen Programmatik war Rot-Grün-Rot für viele Investoren ein schwer kalkulierbares Risiko. Diese Option ist nun vom Tisch. Alle übrigen aus Börsensicht entscheidenden Fragen rund um die Wahl sind hingegen noch offen. Mögliche Streitpunkte in den nun anstehenden Koalitionsverhandlungen dürften unter anderem bei kapitalmarktrelevanten Themen wie etwa der Schuldenbremse, der Steuer- und auch der Europapolitik bestehen. Eine positive Botschaft für die Börsen steht aber bereits fest: Deutschland wird auch künftig von einer europafreundlichen Regierung geführt. Für europäische Anlagen, wie zum Beispiel Peripherieanleihen oder auch den Euro, sind das gute Nachrichten.

Diese Woche

  • Diese Woche: Wachstumssorgen in China
  • Aktien: Daimler wird wieder zu Mercedes-Benz
  • Renten: Renditeanstieg setzt sich fort
  • Ausblick: US-Arbeitsmarktbericht am Freitag

Aktien: Daimler wird wieder zu Mercedes-Benz

Den Aktienmärkten droht die verlustreichste Woche seit Januar dieses Jahres. Der schon angesprochene Mix aus negativen Nachrichten führte vielerorts zu Gewinnmitnahmen. Für die leichte Zurückhaltung sorgten dabei vor allem die gestiegenen Energiepreise. Allein im September verteuerte sich Öl um fast zehn Prozent, Erdgas in Europa sogar um 94 Prozent. Angesichts der guten wirtschaftlichen Entwicklung schlägt das noch nicht sofort und in vollem Umfang auf den Verbraucher durch. Viel spannender ist, wie die Notenbanker den Preisanstieg bewerten und welche Auswirkungen dieser auf die Geldpolitik hat. Davon wären dann auch die Aktienmärkte betroffen. Das Wort Stagflation machte die Runde. Dabei darf man aber nicht außer Acht lassen, dass die Auftragsbücher der Unternehmen weiter prall gefüllt sind und Volkswirte weiter davon ausgehen, dass die Lieferprobleme bald wieder abnehmen werden. Dann dürfte auch der Preisdruck nachlassen.

Schwerer Stand für DAX-Neulinge – Daimler mit Zuwächsen

Mit Blick auf den DAX sind unter den Schlusslichtern neben Delivery Hero in dieser Woche fast ausnahmslos die Neulinge wie Zalando und Sartorius zu finden. Deren Aktien büßten jeweils mehr als sieben Prozent ein. Zu den wenigen Gewinnern zählte hingegen Daimler. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten die Aktionäre einer Aufspaltung des Unternehmens zu. Die Nutzfahrzeugsparte wird zukünftig auf eigenen Füßen stehen. Ferner versprach das Management den Aktionären steigende Renditen für das aktuell margenschwache LKW-Geschäft. Ab Februar nächsten Jahres wird der Konzern zudem umbenannt und firmiert dann wieder unter dem Namen Mercedes-Benz.

Titel aus dem Öl & Gas-Sektor vorn

Im breit diversifizierten STOXX Europe 600 Index legten in dieser Woche Titel aus dem Öl & Gas-Sektor knapp vier Prozent zu. Darüber hinaus konnte der Bankensektor von den steigenden Renditen profitieren. Technologiewerte führten hingegen die Verliererliste mit einem Verlust von mehr als acht Prozent an.

Renten: Renditeanstieg setzt sich fort

Die Rentenmärkte stehen in diesen Tagen zwischen den Stühlen. Einerseits sprechen die Pläne der Notenbanken für steigende Renditen. Gleichzeitig hält auch der Inflationsdruck weiter an. So wurden in dieser Woche die ersten Schätzungen für September veröffentlicht. Demnach sind die Preise in Deutschland im Jahresvergleich um 4,1 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Wert seit 1993. Für den anhaltenden Aufwärtsdruck sind neben den hohen Energiepreisen vor allem die nach wie vor bestehenden Lieferengpässe verantwortlich. In den ersten Handelstagen kamen die Kurse von Staatsanleihen daher unter Druck. Die Rendite zehnjähriger US-Schatzanweisungen stieg zwischenzeitlich auf mehr als 1,55 Prozent. Laufzeitgleiche Bundesanleihen rentierten mit minus 0,18 Prozent.

Andererseits sorgten die zunehmenden Wachstumssorgen und die Schuldendebatte in den USA für eine höhere Risikoaversion der Marktteilnehmer. Darüber hinaus wird befürchtet, dass sich auch die hohen Teuerungsraten zunehmend dämpfend auf die konjunkturelle Entwicklung auswirken könnten. Schließlich steht den Verbrauchern damit weniger Geld für den Konsum zur Verfügung. Kurz vor dem Wochenende kam es daher zu einer Gegenbewegung. Im Rahmen wieder fallender Renditen konnte ein Teil der Verluste dabei wieder aufgeholt werden.

Gegenwind auch bei risikobehafteten Rentenanlagen

Angesichts der verringerten Risikoneigung der Anleger kamen auch Anlageklassen mit einem Risikoaufschlag unter Druck. Bei Unternehmensanleihen hielten sich die Kursbewegungen allerdings in Grenzen. Und auch Staatspapiere aus den Peripherieländern lagen recht stabil. Hier stützt die gute wirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr, die vor allem Italien Spielräume für mögliche Reformen eröffnet.

Staatsanleihen aus den Schwellenländern mussten ebenfalls leicht höhere Risikoaufschläge hinnehmen. Hier waren es vor allem die höheren Energiepreise, die belasteten und weniger die allgemeinen Wachstumssorgen. Erstaunlicherweise konnten die Förderländer hiervon nicht profitieren.

Ausblick auf die kommende Woche

In der kommenden Woche stehen noch einige Einkaufsmanagerindizes aus dem Dienstleistungssektor zur Veröffentlichung an. Das Hauptaugenmerk der Anleger wird aber auf dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag liegen. Je stärker dieser Bericht ausfällt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbanker bereits auf ihrem nächsten Treffen am 3. November den Startschuss für eine Rückführung ihrer Anleihekäufe (Tapering) geben wird. Es wird im Konsens ein Anstieg um 500.000 neue Stellen erwartet.

Ausblick

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