Börsenrückblick und Ausblick

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 20. bis 24. September 2021

Diese Woche: Notenbanken sprechen sich für restriktivere Geldpolitik aus

Es war die Woche der Währungshüter. Gleich 13 Zentralbanken tagten in den letzten Handelstagen. Das Hauptaugenmerk der Marktteilnehmer lag dabei auf der US-Notenbank Fed. Diese machte deutlich, bald mit einer Reduzierung ihrer Anleihekäufe beginnen zu wollen. Seit Dezember letzten Jahres habe die Wirtschaft deutliche Fortschritte gemacht. Wenn sich diese Entwicklung im Großen und Ganzen wie erwartet weiter fortsetzt, betrachtet es das Gremium als angebracht, das Tempo der Anleihekäufe bald zu reduzieren. Bei der Pressekonferenz wurde Powell noch deutlicher: Die Reduktion der Anleihekäufe könne bereits im November beginnen. Zur möglichen Dauer des Taperings äußerte er sich nicht: Die Anleihekäufe könnten Mitte des Jahres 2022 enden. Selbstredend betonte er aber auch, dass weder über den genauen Zeitpunkt des Beginns noch zur genauen Dauer bereits Entscheidungen getroffen worden seien. Ein Start noch in diesem Jahr würde der Fed die Möglichkeit einräumen, einen ersten Zinsschritt noch 2022 zu beschließen – falls es insbesondere die weitere Inflationsentwicklung erforderlich machen sollte. Powell erteilte Gedanken an einen möglichen Zinsschritt noch vor dem Tapering-Ende eine Absage. Damit versuchte er die Befürchtung zu zerstreuen, dass mit dem nun absehbaren Beginn des Taperings auch zwangsläufig der Beginn des Zinserhöhungszyklus naht.

Auch die Bank of England äußerte sich besorgt über den globalen Inflationsanstieg und zeigte durchaus Sympathien für einen ersten Zinsschritt im kommenden Jahr. Etwas weiter ist schon die Norwegische Zentralbank, die bereits am Donnerstag – als erste Notenbank aus einem Industrieland – die Leitzinsen um 25 Basispunkte anhob. Hierfür waren die gute konjunkturelle Entwicklung, eine geringe Arbeitslosigkeit und Teuerungsraten von mehr als drei Prozent ausschlaggebend.

Alle Notenbanken zeigten sich besorgt über die hohen Inflationsraten, gehen aber unisono davon aus, dass die aktuellen Werte durch Sondereffekte nach oben verzerrt sind und der darunter liegende Preisdruck nicht persistent ist.

Frühindikatoren signalisieren weiter abnehmende konjunkturelle Dynamik

Am Donnerstag wurden eine Reihe von vielbeachteten Frühindikatoren veröffentlicht. Dazu zählten vor allem die Einkaufsmanagerindizes. Über den gesamten Globus hinweg nimmt die Dynamik des Aufschwungs weiter ab. Aber: Im historischen Vergleich befinden sich die Umfrageergebnisse weiterhin auf einem hohen Niveau. Engpässe in den Lieferketten, die hohen Preise und Sorgen um die konjunkturelle Entwicklung in China trübten jüngst jedoch die Stimmung. In Europa fiel der Rückgang etwas stärker aus. Hier lagen die Umfrageergebnisse in den Monaten zuvor aber noch auf einem sehr hohen Niveau von vielfach mehr als 60 Punkten. Auch der ifo-Geschäftsklimaindex in Deutschland war erneut leicht rückläufig. Hier wurde vor allem die aktuelle Lage etwas schlechter eingeschätzt. Die Erwartungen blieben hingegen stabil. Bedenkt man, dass die Auftragseingänge der deutschen Industrie zuletzt viel höher als die eigentliche Industrieproduktion waren, dann erklärt dies die unterschiedliche Einschätzung. Die vollen Auftragsbücher dürften die Fabriken also in den kommenden Monaten weiter gut auslasten.

Diese Woche

  • Diese Woche: Notenbanken sprechen sich für restriktivere Geldpolitik aus
  • Aktien: Evergrande belastet nur kurz
  • Renten: Starker Renditeanstieg nach der Fed
  • Ausblick: Deutschland wählt

Aktien: Evergrande belastet nur kurz

An den Aktienmärkten begann die Handelswoche turbulent. Die Sorgen um den chinesischen Immobilienentwickler Evergrande schickten die weltweiten Aktienindizes zu Beginn der Woche zunächst auf Talfahrt. Der STOXX Europe 600 Index und der S&P 500 verloren jeweils rund 1,7 Prozent an Wert. Etwas größer fiel der Verlust im DAX aus. Der deutsche Leitindex büßte knapp 2,4 Prozent ein. Schnell wurde klar, dass Evergrande zwar eng mit vielen chinesischen Firmen verbunden ist, ausländische Unternehmen – und hier sind vor allem die Banken zu nennen – aber keine engen Geschäftsbeziehungen mit dem in Not geratenen Unternehmen pflegen. In den folgenden Tagen konnten die Kursverluste daher schnell wieder aufgeholt werden.

Die chinesische Wirtschaft war lange Zeit darauf ausgerichtet, ein möglichst hohes Wachstum zu erzielen. Nun hat die Regierung in Peking aber den Wohlstand für alle als Ziel ausgerufen. Damit einher geht eine Politik der Umverteilung. Schon im August des vergangenen Jahres hat Chinas Regierung den starken Anstieg der Hauspreise über die letzten 15-20 Jahre moniert. Viele Bürger können sich Wohneigentum nicht mehr leisten. Schuld daran sind auch die hohen Bodenpreise, weil Firmen wie Evergrande große Flächen für ihre Bauprojekte aufkauften. Peking beschloss daher die Bautätigkeit stärker zu regulieren und gab drei wichtige Kriterien (three red lines) vor, darunter auch ein Abbau der Verschuldung. Dies brachte Evergrande nun in Bedrängnis. Evergrande ist also nicht die Ursache einer neuen möglichen Krise, sondern vielmehr das Symptom einer geänderten chinesischen Politik bzw. Regulierung. Deshalb spricht auch viel dafür, dass die Regierung das Unternehmen nicht vollständig retten wird – dies würde falsche Anreize an Mitbewerber setzen – die Firma wohl aber geordnet abwickeln dürfte. Der Bausektor insgesamt hat einen großen Anteil am chinesischen BIP-Wachstum, weshalb die Regulierung einen erheblich dämpfenden Faktor haben dürfte.

Umsatz- und Gewinnwarnungen könnten zunehmen

Als problematisch erweisen sich weiterhin die gestörten Lieferketten. Der Sportartikelhersteller Nike sah sich nun dazu genötigt, seine Umsatzprognose zu revidieren. Für das laufende Geschäftsjahr wird nur noch mit einem einstelligen statt vorher zweistelligen Umsatzplus gerechnet. Nike produziert rund die Hälfte seiner Schuhe und auch einen Teil der Sportkleidung in Vietnam. Aufgrund der Corona-Pandemie waren die Werke in Vietnam lange geschlossen und die Produktion wurde kurzfristig in andere Länder verlagert. Derzeit dauert es rund 80 Tage bis die fertige Ware in den USA eintrifft. Hinzu kommen höhere Lieferkosten. Andere Firmen haben ähnliche Probleme. Als belastend könnte sich auch der wirtschaftliche Abschwung in China erweisen. Auch die hohen Preise haben das Potenzial die Zahl möglicher negativer Umsatz- oder gar Gewinnrevisionen zu erhöhen. In den USA halten, gemäß der jüngsten Umfrage der Universität Michigan, die Verbraucher den Zeitpunkt für die Anschaffung von Autos, Möbel und Häusern aufgrund der hohen Preise für so ungünstig wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Europäische Aktien mit besserer Wertentwicklung

Auf Wochensicht verzeichneten einige Aktienindizes sogar leichte Zuwächse. Hierzu zählten vor allem die europäischen Märkte. Gemessen am STOXX Europe 600 Index legten Titel aus dem Öl & Gas-Sektor und der Reisebranche mit jeweils knapp vier Prozent am stärksten zu. Schlusslicht waren Einzelhandelsaktien und Werte aus dem Finanzservicesektor mit rund minus 1,5 Prozent.

Renten: Starker Renditeanstieg nach der Fed

Die Worte von Fed-Chef Powell schien der US-Rentenmarkt zunächst ignorieren zu wollen, mit etwas Verzögerung kam es dann aber doch zu einer starken Marktreaktion am US-Rentenmarkt. Die Rendite von zehnjährigen US-Schatzanweisungen kletterte um 13 Basispunkte nach oben. Im Schlepptau dieser Entwicklung kam es auch am europäischen Rentenmarkt zu einem Abverkauf. Auf Monatssicht ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von minus 0,50 Prozent auf minus 0,24 Prozent geklettert.

Anleihen aus den Schwellenländern geben nach

In diesen Tagen waren bei gleich zwei Anleihen von Evergrande Zinszahlungen fällig. In einem Fall einigten sich die Gläubiger auf eine Stundung. Bei der zweiten Anleihe blieb völlig offen, ob Investoren ihr Geld zurückerhalten werden. Nun beginnt eine 30-tägige Übergangsfrist, bevor die Anleihe als ausgefallen gilt. Unterdessen bemüht sich die chinesische Regierung um eine Lösung.

Anleihen aus den Schwellenländern waren in der Gunst der Anleger in dieser Woche etwas weniger gefragt. In Summe gab es aus der Anlageklasse Abflüsse von rund 700 Millionen US-Dollar. Als belastend erwies sich dabei auch der Renditeanstieg in den USA, der die Finanzierung der EM-Länder verteuert. Darüber hinaus kamen sowohl türkische Anleihen als auch die Türkische Lira unter Druck, nachdem die dortige Notenbank – trotz einer Inflationsrate von 20 Prozent (!) – den Leitzins um 100 Basispunkte senkte.

Ausblick auf die kommende Woche

Der Ausgang der Bundestagswahl am Sonntag wird auch vom Kapitalmarkt mit Spannung erwartet. Die Umfragewerte signalisieren nur einen knappen Vorsprung der SPD. Spannend wird sein, für welche Mehrheiten es am Ende reichen könnte. Zumindest die Finanzwelt ist sich einig: Ein schwarz-grün-gelbes Bündnis würde wesentlich mehr Anklang finden als eine rot-grün-rote Koalition. Vermutlich dürfte die Regierungsbildung jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Große Aufmerksamkeit dürften auch die Verbraucherpreise im Euroraum auf sich ziehen. Die von Bloomberg befragten Analysten rechnen mit einem weiteren Anstieg auf nun 3,3 Prozent im Jahresvergleich für den Euroraum. In Deutschland könnte sogar die Marke von vier Prozent übersprungen werden.

In den USA stehen die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter zur Veröffentlichung an. Der viel beachtete US-Arbeitsmarktbericht folgt erst in der übernächsten Woche.

Ausblick

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