Börsenrückblick und Ausblick

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 12. Juli bis 16. Juli 2021

Diese Woche: Bilanz-Berichtssaison startet mit US-Banken

In der Berichtswoche gab es wieder vereinzelte Rekordstände an den Aktienmärkten. Die Ausbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus verunsicherte jedoch die Anleger, sodass die Börsen in Richtung Wochenschluss etwas nachgaben. Dabei lief die Berichtssaison zum zweiten Quartal vielversprechend an. Die US-Banken berichteten soweit solide, wenngleich sich dort der Ausblick etwas verhaltener zeigte. Auch heimische Unternehmen wie Volkswagen, BASF und Daimler konnten mit guten Unternehmensdaten aufwarten.
An den Staatsanleihemärkten setzte sich der anhaltend positive Grundton fort. Guten volkwirtschaftlichen Daten und hoher Inflation (vor allem in den USA) zum Trotz legten die Anleihenotierungen weiter zu. Die Renditen gaben, vor allem bei den langen Laufzeiten, etwas nach.
Der Ölpreis war in der Berichtswoche etwas rückläufig, da sich Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate im Rahmen der OPEC plus auf eine Förderausweitung zu Gunsten der VAEs einigen konnten.

Konjunkturdaten

Sowohl die chinesischen Außenhandelszahlen für Juni als auch das dortige Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal zeigten sich insgesamt solide. Mit 7,9 Prozent lag das BIP knapp unterhalb des Konsenses (8,0 Prozent). Die Im- und Exportdaten überraschten positiv und weisen auf eine anhaltende Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung im Reich der Mitte hin.

US-Inflation weiter hoch

Die mit Spannung erwarteten US-Konsumentenpreise für Juni bestätigten den Verdacht auf weiter anziehende Raten. Mit 5,4 Prozent verteuerten sich Konsumgüter gegenüber dem Vorjahr deutlich. Die um schwankungsanfällige Energie – und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kernrate legte mit plus 4,5 Prozent ebenso deutlich zu. Ein beträchtlicher Teil des Preisanstiegs war auf jene Komponenten bzw. Branchen zurückzuführen, die unter der Corona-Pandemie am stärksten zu leiden hatten: Energie- Flug-, Leihwagen- und Lebensmittelpreise trugen hierzu bei. Besonders stark ausgeprägt war zudem der Preisanstieg bei Gebrauchtwagen, der ein Drittel der Teuerungsrate ausmachte. Die US-Notenbank Fed wurde indes nicht müde, auf den vorübergehenden Effekt der Teuerung hinzuweisen. Der Fed Vorsitzende Jerome Powell hielt am Mittwoch diesbezüglich in einer Rede vor dem US-Kongress die bislang gewohnte Haltung der Fed zu diesem Thema unverändert bei. Es wird angesichts der Entwicklung der US-Wirtschaft wohl noch eine Weile dauern, bis die Fed erste Schritte zur Rücknahme der geldpolitischen Lockerung vornehmen wird. Als Zeitpunkt für eine Rückführung der Anleihekäufe (Tapering) dürfte unserer Ansicht nach wohl das erste Quartal 2022 in Frage kommen. Dann wird mit einer Verringerung der Ankäufe sowohl von US-Staatsanleihen als auch von Hypothekenpapieren zu rechnen sein. Die Fed zeigte sich im am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbericht (Beige Book) optimistisch und erwartet ein moderates bis robustes Wachstum der US-Wirtschaft.
Nicht ganz den Erwartungen entsprach die US-Industrieproduktion im Juni mit plus 0,4 Prozent. Vor allem machte sich der Mangel an Computerchips in der Automobilbranche weiterhin negativ bemerkbar.

Der Ölpreis sowohl für die Sorten Brent (74 US-Dollar) als auch WTI (72 US-Dollar) gab in den vergangenen Handelstagen etwas nach. Presseberichten zufolge konnten die beiden Ölförderländer Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ihren Streit um die Fördermenge beilegen und einen Kompromiss erzielen. Die VAE sollen ab April 2022 ihre Produktion auf 3,65 Millionen Barrel pro Tag anheben können.

Wie konträr derzeit weltweit die Geldpolitik der Notenbanken verläuft, zeigt sich am Beispiel der Neuseeländischen Zentralbank. Diese kündigte an, die pandemiebedingten Anleihekäufe demnächst komplett herunterzufahren. Damit nicht genug, denn die dortigen Währungshüter scheinen damit auch einer ersten Zinsanhebung den Weg zu ebnen. Um einer Überhitzung des Immobilienmarktes entgegenzusteuern scheinen derartige Schritte nötig. Neuseeland wäre damit eines der ersten Länder, dass die Zinssätze nach Ausbruch der Corona-Pandemie erhöhen würde.

Diese Woche

  • Bilanz-Berichtssaison startet mit den US-Banken
  • Aktien: Vereinzelte Rekordstände, aber Corona-Delta belastet
  • Renten: Verhalten freundliche Stimmung setzt sich fort
  • Ausblick: Europäische Zentralbank tagt

Aktien: Vereinzelte Rekordstände, aber Corona-Delta belastet

Die großen US-Banken eröffneten diese Woche die Berichtssaison zum zweiten Quartal. Institute wie die Bank of America, J.P. Morgan Chase, Goldman Sachs, Wells Fargo sowie die Citigroup meldeten in der Summe positive Resultate. Die Gewinnentwicklung war bei einigen Banken, wie auch schon im ersten Quartal, von weiteren Auflösungen Corona-bedingter Rückstellungen geprägt. Zudem hat sich mittlerweile die Kreditqualität verbessert. Es waren aber auch Moll-Töne zu vernehmen. So wirkten sich schwächere Handelsergebnisse sowie rückläufige Zinsmargen teils belastend aus. Zur allgemeinen Euphorie unter den Anlegern trugen die Ergebnisse daher nicht bei, die Kursentwicklung US-amerikanischer Bankentitel war in der Berichtswoche eher seitwärts bis abwärtsgerichtet. Begeisterungsstürme seitens Anleger blieben zumindest aus. Lediglich die Aktie von Wells Fargo konnte bis Donnerstagabend etwas zulegen.
Zum Thema Banken wurde mit Blick auf Europa das Vorhaben der Bank of England bekannt, demnächst den Dividendenbann für britische Banken aufzuheben. Eine Dividendenausschüttung wird dann wieder möglich sein. Die EZB will bezüglich dieser Thematik wohl dann im Oktober für die Banken des Euroraumes folgen.
Im Euroraum hatten noch am Freitag der Vorwoche Volkswagen und BASF erste Hinweise auf eine gute Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal geben können. Daimler gesellte sich nun in dieser Woche hinzu. Trotz teilweiser vom Chipmangel verursachten Produktionsunterbrechung konnte der Konzern beim Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) mit 5,2 Milliarden die Erwartungen der Analysten (4,1 Milliarden Euro) übertreffen. Die Daimler-Aktie legte ein knappes Prozent zu.

Mit Blick auf die Indexentwicklung war eine eher uneinheitliche Entwicklung zu beobachten. Die US-Börsen mit S&P 500- und Nasdaq-Index sowie dem Dow Jones Industrial Average tendierten bis zur Eröffnung am Freitagnachmittag leicht ins Plus. Sowohl der S&P 500- als auch der Nasdaq-Index erzielten in der Berichtswoche zwischenzeitlich wieder einen Rekordstand.
Dies war im Euroraum beim DAX30, der vorübergehend ein Rekordhoch von rund 15.811 Punkten erreichte, sowie dem MDAX ebenfalls zu beobachten. Die Ausbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus und auch Kommentare hinsichtlich einer möglich strafferen Geldpolitik durch die Bank of England brachten die Indizes dann folgend etwas ins Straucheln. Im Euroraum überwogen letztlich per Freitagvormittag leichte Verluste. Der britische FTSE 100-Index gab 1,2 Prozent ab. Die Aktienbörsen in sämtlichen Schwellenländern konnten hingegen durchweg zulegen. Auf Gesamtmarktebene lag der MSCI-World-Index mit 0,3 Prozent im Minus.

Freizeit- und Reisesektor deutlich im Minus

Spiegelbildlich zur Corona-Delta-Ausbreitung gab branchenseitig der Freizeit- und Reisesektor mit minus 3,6 Prozent am deutlichsten ab. Auch lagen Öl- und Gas- sowie Einzelhandelswerte mit minus 2,9 und minus 2,3 Prozent im negativen Terrain. Geringe positive Vorzeichen wiesen Chemietitel sowie Medienaktien auf (jeweils plus 0,9 Prozent). Bei den Einzelwerten lagen im DAX 30 Delivery Hero und die Deutsche Telekom mit jeweils 2,3 Prozent vorne. Weit abgeschlagen war Siemens Energy. Die Aktie verlor knapp 12 Prozent, nachdem die Tochtergesellschaft Siemens Gamesa Renewable Energy (Windkraftanlagen) den Ausblick bzw. die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr senkte. Das Unternehmen rechnet nach Presseberichten im laufenden Jahr bestenfalls mit einer schwarzen Null.
Freuen konnten sich hingegen die Apple-Aktionäre. Deren Aktie erzielte am Donnerstag mit 150 US-Dollar je Anteilswert einen neuen Höchststand.

Renten: Verhalten freundliche Stimmung setzt sich fort

An den Staatsanleihemärkten setzte sich in der Berichtswoche vor dem Hintergrund der Nachrichten aus den Zentralbanken der freundliche Grundton fort. Sowohl in den USA als auch am deutschen Staatsanleihemarkt waren weitere Zugewinne bei den Anleihenotierungen und damit einhergehende Renditerückgänge zu beobachten. Die Zinskurven flachten sich über die langen Laufzeiten ein wenig ab. Der Renditerückgang lag zwischen vier (US-Schatzanweisungen) und sechs (Bundesanleihen) Basispunkten. Parallel hierzu verlief auch die Entwicklung in den Peripheriemärkten. Im mittlerweile von der Sommerpause geprägten Geschäft blieben die Renditeaufschläge gegenüber den deutschen Bundesanleihen nach leichten Schwankungen letztlich unverändert.

EU-Bonds wieder stark nachgefragt

Die EU hat in der Berichtswoche nochmals einen Bond mit zehn Jahren Laufzeit im Gegenwert von fünf Milliarden Euro im Rahmen des ESM platziert. Darüber hinaus wurde eine weitere zehn Milliarden Euro schwere Emission (Fälligkeit 2041) unter der Rubrik Next Generation EU begeben. Die Nachfrage nach beiden Titeln war wieder immens. Für das Zehnjahrespapier betrug die Nachfrage 51 Milliarden, bei der längeren Laufzeit standen sogar Kaufaufträge für 96 Milliarden Euro im Orderbuch. Ein weiterer großer Platzierungserfolg für die EU, die nun hinsichtlich der Neuemissionen erst einmal in die Sommerpause geht. Wir rechnen im September mit weiteren Platzierungen.
Am Markt für Euro-Unternehmenspapiere und auch bei den in US-Dollar und Euro notierten Anleihen aus den Schwellenländern verlief der Handel sommerbedingt in ruhigen Bahnen. Vor allem weisen Unternehmensanleihen derzeit handelsseitig kaum ein Eigenleben auf. An den Primärmärkten hat die Anzahl der Neuemissionen, auch im Zusammenhang mit der nun angelaufenen Bilanzberichtssaison, zuletzt deutlich nachgelassen.

Ausblick auf die kommende Woche

Am Donnerstag tagt die Europäische Zentralbank. Dies ist die erste Sitzung nach der kürzlich überraschend angekündigten Strategieänderung. Das Treffen dürfte entgegen früherer Einschätzungen alles andere als eine Routineveranstaltung anzusehen sein. Vor allem in Richtung der Kommunikation dürfte sich ersten Andeutungen zufolge einiges ändern. Mit Blick auf die Anleiheankaufprogramme wird zudem am Markt auf Ankündigungen hinsichtlich einer möglichen Ausweitung spekuliert.

Darüber hinaus stehen in der neuen Handelswoche zahlreiche Einkaufsmanagerindizes aus dem Juli zur Veröffentlichung an. Für den Euroraum wird ein leichter Anstieg bei den Dienstleistungen erwartet.
Zudem stehen einige Daten zum US-Immobilienmarkt auf der Agenda. Und die Berichtssaison zum 2. Quartal setzt sich weiter fort.

Ausblick

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