Börsenrückblick und Ausblick

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 09. bis 13. Mai 2022

Diese Woche: US-Inflation zieht im April leicht an

Die US-Verbraucherpreise sind im April mit 0,3 Prozent weiter angestiegen. Die Teuerung war aber geringer als noch im März, der mit plus 1,2 Prozent deutlich höher ausfiel. Im Wesentlichen zeigte sich der Rückgang der Energiekomponente hierfür verantwortlich. Im Vergleich zum Vorjahr legten die Preise im April um 8,3 Prozent zu und lagen damit leicht über den Erwartungen der Analysten. Die Stimmung an den Aktienbörsen war in der Berichtswoche alles andere als erfreulich, die Indizes tendierten ins Minus. Vor allem Aktientitel mit hohen Wachstumsperspektiven, wie etwa die im US-Nasdaq-Index abgebildeten Papiere, gaben deutlich nach. Die restriktivere Zins- und Geldpolitik der Zentralbanken, der Krieg in der Ukraine und die Lockdowns in China verbunden mit einer Eintrübung des Wachstumsausblicks bilden derzeit eine ungünstige Gemengelage und heizen sowohl Inflations- als auch Rezessionsängste weiter an. Die Staatsanleihemärkte in den USA sowie im Euroraum setzten hingegen nach sehr schwachen Vorwochen zu einer Gegenbewegung an und erzielten Kursgewinne.

US-Inflation auf hohem Niveau, die Kernrate liegt über Erwartung

In einer konjunkturseitig datenarmen Woche standen die US-Verbraucherpreise im Blickpunkt der Anleger. Im April stieg die Inflation in den Vereinigten Staaten gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent an. Im März lag der monatliche Anstieg noch bei 1,2 Prozent. Der Rückgang war in erster Linie auf die Energiekomponente zurückzuführen. Etwas stärker als erwartet stieg mit 0,6 Prozent jedoch die um die schwankungsreichen Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kernrate an (0,3 Prozent im März). Vereinzelte Komponenten wie etwa Flugtickets, die sich um 19 Prozent verteuerten, trugen hierzu bei. Im Jahresvergleich lag die US-Inflation im April bei plus 8,3 Prozent (März plus 8,5 Prozent). Die Kernrate stieg gegenüber dem Vorjahr um 6,2 Prozent an. Insgesamt lagen die Daten etwas über den durchschnittlichen Schätzungen der über Bloomberg befragten Analysten. Den anhaltenden Aufwärtstrend bestätigten zudem die am Donnerstag veröffentlichen US-Produzentenpreise. Deren Anstieg hat sich zwar zuletzt etwas verlangsamt, lag im April aber mit elf Prozent gegenüber dem Vorjahr deutlich im Plus.

US-Notenbank bleibt auf Kurs

Die US-Notenbank dürfte damit hinsichtlich ihrer Verschärfung der Geldpolitik klar auf Kurs bleiben. In der Berichtswoche wurde in einem Kommentar aus der Fed erneut ein größerer Zinsschritt um 75 Basispunkte ins Spiel gebracht. Fed-Chef Powell, der vom Senat für eine weitere Amtszeit bestätigt wurde, erteilte aber diesbezüglich eine Absage. Wenngleich er grundsätzlich aber die Bereitschaft erkennen lässt, wenn nötig, auch größere Zinsschritte vorzunehmen. Im Juni und im Juli sollten aber weitere Zinserhöhungen um jeweils 50 Basispunkte die wahrscheinlichere Option der US-Notenbank bleiben.

ZEW-Index mit leichter Verbesserung

Die für den Mai veröffentlichen ZEW-Konjunkturerwartungen zeigten eine leichte Verbesserung, wenngleich sich der Indikator weiter auf negativem Niveau bewegte. Die hierbei befragten Finanzmarktexperten und Investoren kamen auf einen Wert von minus 34,3 Punkten (plus 6,7 Punkte). Die Einschätzung zur aktuellen konjunkturellen Lage Deutschlands verschlechterte sich hingegen erneut und fiel um 5,7 auf minus 36,5 Punkte. Dies war der dritte Rückgang in Folge seit Beginn des Krieges in der Ukraine.

Diese Woche

  • Diese Woche: US-Inflation zieht im April leicht an
  • Aktien: Unsicherheit sorgt für Abverkauf
  • Renten: Renditegipfel erreicht?
  • Ausblick: Konjunkturdaten aus den USA und aus China im Blickpunkt

Aktien: Unsicherheit sorgt für Abverkauf

Anhaltende Unsicherheiten sorgen für viel Bewegung am Markt – Ausverkaufsstimmung im Tech-Segment

Der Ausverkauf an den Aktienmärkten hat sich auch in dieser Woche fortgesetzt. Verantwortlich hierfür sind nach wie vor die schon bekannten Belastungsfaktoren in Form des Russland-Ukraine-Konflikts, die hohen Inflationsdaten, die Pläne der Notenbanken zu Zinserhöhungen sowie die Corona-Situation in China. Zu viele Unsicherheiten belasteten damit letztlich die Stimmung der Anleger. Kurz vor dem Wochenende waren wieder positive Vorzeichen in Europa zu vernehmen. Solche Erholungsversuche hatte es im Wochenverlauf aber mehrfach gegeben, vielfach scheiterten sie jedoch. In Summe hielten sich die Märkte in Europa jedoch wesentlich besser und verbuchten im Wochenvergleich sogar ein leichtes Plus. Der DAX 40 kletterte per Freitagmittag 1,4 Prozent aufwärts, der EuroStoxx 50-Index legte 0,9 Prozent zu. In den USA mussten die Indizes hingegen größere Verluste hinnehmen. Der Dow Jones Industrial Average gab im Vergleich zur Vorwoche 3,6 Prozent nach und für den S&P 500-Index ging 4,7 Prozent abwärts. Im aktuellen Umfeld zeichnete sich der Ausverkauf vor allem im Tech-Segment besonders deutlich ab. Der US-Tech-Index Nasdaq befand sich im Vergleich zur Vorwoche sogar sechs Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn haben Technologieaktien bereits fast 27 Prozent an Wert verloren, mehr als der breite Markt. Damit befindet sich der Index in einer „Bärenmarktrally“. Hiervon sprechen Marktteilnehmer bei einem Verlust von mehr als 20 Prozent. Dementsprechend ging es auch für die großen Technologie-Konzerne wie Apple, Microsoft und Amazon weiter abwärts.

Apple wurde als wertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst

Während der Kurs der Apple-Aktie seit Ende März mehr als 18 Prozent verloren hat, konnte der Aktienkurs des saudi-arabischen Ölkonzerns Saudi Aramco einen Anstieg von 17 Prozent generieren. Dies ermöglichte es dem Ölkonzern in dieser Woche den Technologiekonzern Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt abzulösen. Die Marktkapitalisierung von Saudi Aramco liegt zweieinhalb Jahre nach dem Börsengang bei 2,43 Billionen US-Dollar. Zuletzt konnte der Ölkonzern von den hohen Energiepreisen profitieren. Apple hingegen ist aufgrund der Aussicht auf steigende Zinsen, verbunden mit noch bestehenden Lieferengpässen und aufkommenden Wachstumssorgen um die US-Wirtschaft negativ betroffen, da die Investoren vor allem Technologieaktien veräußert haben.

Berichtsaison neigt sich ihrem Ende zu – einige Dax-Unternehmen haben in dieser Woche noch ihre Quartalszahlen vorgelegt

Die Berichtsaison, welche für viel Bewegung an den Aktienmärkten gesorgt hat, ist nun zu Ende gegangen, sodass sich ein Fazit ableiten lässt. Gemessen am S&P 500-Index haben in den USA 67 Prozent der Unternehmen die Umsatzerwartungen der Analysten schlagen können, während in Europa gemessen an dem STOXX 600 Europe-Index sogar 74 Prozent der Unternehmen die Prognosen der Analysten übertrafen. Allerdings erreichte die USA mit 76 Prozent gegenüber Europa mit 65 Prozent, was die Gewinne angeht, einen höheren Wert. In dieser Woche haben unter anderem die Dax-Unternehmen Bayer, Allianz und die Deutsche Telekom berichtet. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer legte gute Quartalszahlen vor. Mit einem Umsatzanstieg von 14 Prozent befand sich das Ergebnis über den Erwartungen, was Anleger mit einem Aufschlag von rund drei Prozent honorierten. Auch der Finanz- und Versicherungskonzern Allianz legte seine Quartalszahlen vor und konnte seine Prognosen für das Gesamtjahr bestätigen. Eine übermäßig hohe Kursreaktion blieb jedoch aus. Ganz anders die Deutsche Telekom, deren Aktie gegenüber der Vorwoche mehr als fünf Prozent zulegen konnte. Nach Umsatz- und Gewinnsteigerungen konnte ein Konzernüberschuss von 3,9 Milliarden Euro erzielt werden – viermal so hoch wie im Vorjahr.

Renten: Renditegipfel erreicht?

An den Staatsanleihemärkten in den USA sowie im Euroraum war in der Berichtswoche eine deutliche Reaktion auf die vorangegangenen Kursverluste zu beobachten. Viele Marktteilnehmer hatten sich in jüngster Vergangenheit vor dem Hintergrund erhöhter Inflationserwartungen und einer folgenden restriktiveren Geldpolitik durch die Notenbanken stark auf der Verkaufsseite positioniert. In diesem Zuge waren zum Wochenauftakt zunächst neue Höchststände im aufwärtsgerichteten Renditetrend zu beobachten. Bei den US-Treasuries mit zehn Jahren Laufzeit ging es renditeseitig in Richtung 3,2 Prozent. Deutsche Bundesanleihen verzinsten sich zwischenzeitlich in der Spitze mit knapp 1,2 Prozent.

Deutlicher Richtungswechsel

Noch am Montag kam es aber zu einem abrupten Wechsel an den Rentenmärkten. Zunehmende Wachstumsängste mit nachgebenden US-Aktienmärkten belasten die Risikostimmung der Anleger. Hiervon profitierten die als sicher geltenden Staatsanleihen aus den Kernländern und gerieten angesichts der mittlerweile zu erzielenden Renditen in den Blickpunkt der Anleger. Auch haben die Inflations- und Zinserwartung im Euroraum zuletzt etwas an Dynamik verloren, wenngleich ein erster Zinsschritt der Europäischen Zentralbank im Juli immer wahrscheinlicher wird. Entsprechend dynamisch, auch vor dem Hintergrund der bestehenden Verkaufs-Positionierungen, verlief in den vergangenen Handelstagen die zu beobachtende Marktbewegung. Die Rendite zehnjährige Bundesanleihen fiel im Zuge entsprechender Kursgewinne wieder deutlich unter die Ein-Prozentmarke (0,88 Prozent per Freitagmittag). Auf der deutschen Zinskurve profitierten vor allem die Laufzeiten zwischen zwei und zehn Jahren vom ausgeprägten Renditerückgang, der in der Spitze bei fünfjährigen Papieren 31 Basispunkte umfasste. In den USA verlief die Bewegung parallel, den höchsten Renditerückgang verzeichneten dort siebenjährige US-Schatzanweisungen. Deren Rendite fiel um 24 Basispunkte. Die richtungsweisenden US-Treasuries mit Fälligkeit in zehn Jahren rentierten am Freitag mit knapp 2,9 Prozent.

Italien-Spread zunächst bei 205 Basispunkten

Mit Blick auf die Euro-Peripherie wurden zum Wochenauftakt zunächst neue Hochs bei den Risikoprämien gegenüber Bundesanleihen erzielt. Zehnjährige italienische Staatsanleihen rentierten zeitweise mit mehr als 3,2 Prozent. Der Aufschlag (Spread) gegenüber Bundespapieren lag in der Spitze bei 205 Basispunkten. Mittlerweile ist ein deutlicher Rückgang auf 188 Basispunkte zu beobachten. Euro-Staatsanleihen gewannen bis Donnerstagabend auf Gesamtmarktebene (iBoxx Euro Sovereign-Index) 2,3 Prozent hinzu. Der Euro-Rentenmarkt gab am Freitagvormittag zwar wieder etwas ab, die in der Woche erzielten Anleihegewinne dürften aber größtenteils bis zum Handelsschluss gehalten werden.

Ausblick auf die kommende Woche: Konjunkturdaten aus den USA und aus China im Blickpunkt

In der neuen Handelswoche stehen zahlreich Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an. Im Blickpunkt stehen am Dienstag die US-Einzelhandelsumsätze. Die amerikanische Binnenkonjunktur läuft gut, der Arbeitsmarkt ist nahezu leergefegt. Der Konsens rechnet für April mit einem Zuwachs von einem Prozent. In China hingegen leidet die Konjunktur unter der Null-Covid-Strategie und den damit einhergehenden Lockdowns. Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze sollten sich im April laut Konsens deutlich abgeschwächt haben.

Ausblick

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 13. Mai 2022, soweit nicht anders angegeben.

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