Börsenrückblick und Ausblick

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 15. bis 19. Februar 2021

Diese Woche: Zinsanstieg belastet im Wochenverlauf

Der durch Inflationssorgen befeuerte Anstieg der Renditen beschäftigte und belastete in der Berichtswoche die Finanzmärkte. Sowohl bei den sicheren Staatsanleihen wie US-Schatzanweisungen oder deutschen Bundespapieren als auch in den Peripheriestaaten des Euroraums stieg unter entsprechenden Verlusten die Verzinsung weiter an. Die US-Aktienmärkte erzielten zunächst noch neue Höchststände, ehe dann in Richtung Wochenschluss eine Konsolidierung einsetzte. Per Freitagvormittag wiesen die europäischen und auch die US-Indizes nur geringe Veränderungen gegenüber dem Vorwochenschluss auf.

US-Einzelhandel im Januar deutlich über Erwartungen

In der Berichtswoche standen zudem einige interessante US-Wirtschaftsdaten auf der Agenda. Die Einzelhandelsumsätze legten im Januar mit plus 5,3 Prozent deutlich zu, der Zuwachs ging weit über die Schätzungen der Analysten (plus 1,1, Prozent/Bloomberg) hinaus. Nachholeffekte aus dem durch Corona eingeschränkten Weihnachtsgeschäft, die Auszahlung staatlicher Unterstützungen bis Mitte Januar und die - im Vergleich zur ersten Corona-Welle - mittlerweile weniger umfangreichen Lockdowns in den Staaten dürften hierfür verantwortlich gewesen sein. Allerdings ergibt sich angesichts des starken Zuwachses Raum für Rückschläge im Februar.
Ebenfalls deutlich über den Schätzungen lagen die US-Produzentenpreise im Januar. Der Anstieg um 1,3 Prozent (Konsens plus 0,4 Prozent) war in erster Linie auf den Gesundheitssektor zurückzuführen. Dieser hat eine hohe Gewichtung innerhalb des maßgebenden Warenkorbs. Auch stieg die US-Industrieproduktion im Januar gegenüber Dezember um 0,9 Prozent (Schätzung plus 0,4 Prozent) deutlich an.
Der US-Arbeitsmarkt verliert hingegen an Schwung. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen in der Vorwoche bei 861.000 und damit ein ganzes Stück über den Erwartungen von 773.000.

Protokoll der US-Notenbank: Wertpapierankäufe werden fortgesetzt

Die US-Notenbank Fed veröffentlichte ihr Protokoll (Minutes) zur vergangenen Sitzung vom 27. Januar. Der mittelfristige Ausblick hat sich der Fed-Einschätzung zufolge etwas verbessert. Die Wertpapierankäufe werden aber so lange fortgesetzt, bis sich erkennbare Fortschritte zeigen. Die Kommunikation hinsichtlich einer Straffung der Geldpolitik wird, sofern diese kommen sollte, zeitlich mit großem Vorlauf erfolgen. Ein für die Märkte überraschendes Tapering (Rückführung) der expansiven Maßnahmen dürfte somit ausgeschlossen sein.
Beim Protokoll der Europäischen Zentralbank (EZB) gab es keine neuen Erkenntnisse. Die Gründe für einen vorsichtigen Optimismus bezüglich einer Erholung im Verlauf von 2021 behielten dort die Oberhand. In der Berichtswoche wurde zudem bekannt, dass die EZB im September die Ergebnisse ihrer Strategie-Überprüfung vorlegen wird.

Ölpreis steigt deutlich

Der Ölpreis hat zudem weiter deutlich zugelegt. Der Future-Kontrakt auf die US-Sorte WTI erreichte in der Berichtswoche mit etwas mehr als 61 US-Dollar je Barrel den höchsten Stand seit September 2020. Der harte Wintereinbruch im US-Staat Texas hat zu Unterbrechungen der Ölförderung und -verarbeitung gesorgt. Seit Jahresbeginn beträgt der Anstieg des WTI-Preises bereits etwas mehr als 25 Prozent. Auch zog der Preis für Erdgas zu Wochenbeginn um mehr als zehn Prozent an.

Die Kryptowährung Bitcoin tendierte weiter fest. In der Berichtswoche wurde erstmals die Marke von 50.000, - US-Dollar je Bitcoin geknackt.

 

Diese Woche

  • Zinsanstieg belastet im Wochenverlauf
  • Aktien: US-Börsen zunächst mit Allzeithochs
  • Renten: Zinskurven steiler/Peripherie-Neuemissionen gefragt
  • Ausblick: Ifo-Index im Februar

Aktien: US-Börsen zunächst mit Allzeithochs

Dann folgt die Konsolidierung

An den Aktienmärkten hielt die gute Stimmung zunächst an. An den US-Börsen waren Allzeithochs zu beobachten. In Europa konnte der EURO STOXX 50-Index zudem ein Jahreshoch erzielen. Die Belastung durch den Zinsseite führte in Richtung Wochenschluss dann aber zu einer Konsolidierung. Der MSCI-World lag Freitagvormittag mit 0,6 Prozent leicht im Minus. Die meisten Aktienbörsen tendierten bei der wöchentlichen Wertentwicklung um die Nullmarke. Lediglich der Nikkei 225-Index schloss mit 1,7 Prozent deutlicher im Plus.

Im STOXX Europe 600-Index zeigt sich mit Blick auf die Branchen in der Berichtswoche ein gemischtes Bild. Grundstoffe lagen mit 5,5 Prozent Zuwachs deutlich vorne, gefolgt vom Reisesektor (plus 2,5 Prozent) und von den Banken (plus 2,4 Prozent). Versorger und Gesundheitswerte bildeten mit Verlusten in Höhe von 2,8 beziehungsweise 2,2 Prozent die Schlusslichter.

Kommt der Börsengang von Porsche?

Im DAX 30-Index lag die VW-Vorzugsaktie mit plus 6,3 Prozent im Wochenvergleich deutlich vorn. Presseberichten zufolge plant der Konzern einen Börsengang seiner Sportwagentochter Porsche. Das im Raum der Spekulationen stehende Platzierungs-Paket soll einen Wert von 20 bis 25 Milliarden haben.

Abgeschlagen weit hinten im Feld lag die Aktie von Beiersdorf. Der Konzern kassierte in der Berichtswoche seinen bisherigen Ausblick und die mittelfristigen Ziele. Darüber hinaus machten in der Finanzgemeinde Überlegungen die Runde, dass Beiersdorf in der im März anstehenden Index-Überprüfung im DAX 30 durch Siemens Energy ersetzt werden könnte. Darüber hinaus tendierten RWE wegen einer Gewinnwarnung durch die US-Kältewelle (minus 6,7 Prozent) und Delivery Hero (minus 7,4 Prozent) deutlich schwächer.

Renten: Zinskurven steiler

An den Bondmärkten tendierten die Zinsstrukturkurven in der Berichtswoche etwas steiler. Der Renditeanstieg der richtungsweisenden zehnjährigen Laufzeiten betrug sowohl in den USA als auch in Deutschland jeweils zehn Basispunkte. Bundesanleihen verzinsten sich somit zuletzt mit minus 0,33 und die US-Pendants mit plus 1,3 Prozent. In Japan kletterten laufzeitgleiche Staatspapiere erstmals seit 2018 wieder über die 0,1 Prozent-Renditemarke.
Bei den Langläufern (30 Jahre) rentieren Bundespapiere mittlerweile mit knapp 0,2 Prozent. Am US-Markt sind mit Langläufern inzwischen 2,1 Prozent zu vereinnahmen.

Peripherie-Neuemissionen aber gut gefragt

Die Euro-Peripheriemärkte konnten sich dem Zinsanstieg nicht entziehen. In Italien ging die Zehnjahresrendite in Richtung 0,65 Prozent, nachdem dort noch in der Vorwoche 0,45 Prozent zu erzielen waren. Die mittlerweile von Mario Draghi vorgestellte und vereidigte neue italienische Regierung hatte im Vorfeld die italienischen Renditen stark nach unten getrieben, war aber in der Berichtswoche kein marktbewegender Faktor mehr. Auch in Spanien und in Portugal waren deutliche Renditeanstiege zu beobachten. Dem Primärmarkt für Euro-Staatsanleihen schadete die Entwicklung nicht. Es wurden Neuemissionen sowohl aus Spanien als auch Italien sehr gut platziert, da die Verzinsung im Rahmen der Marktbewegung entsprechend höher ausfiel und die Anleger verstärkt zugreifen ließ. Dies bremste den Renditeanstieg auch etwas ab. Auf Indexebene (iBoxx Euro Sovereigns-Index) ging der Euro-Staatsanleihemarkt aber mit Verlusten aus der Handelswoche.
Euro-Unternehmensanleihen und Papiere aus den Schwellenländern gaben ebenfalls leicht ab. Die Risikoprämien (Spreads) in beiden Märkten hatten sich bis Donnerstagabend aber relativ gut gehalten.

Ausblick auf die kommende Woche

In der neuen Berichtswoche stehen vergleichsweise wenige wichtige Datenpunkte zur Veröffentlichung an. Am Montag wird der Ifo-Index bekanntgegeben. Bei der Erwartungskomponente sieht der Konsens eine leichte Verbesserung von 91,1 auf 91,8 Punkte. Am Mittwoch steht in den USA der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter auf der Agenda. Auch hier wird für den Januar eine Verbesserung erwartet. Was auch für das vom Conference Board ermittelte Konsumentenvertrauen gilt. Darüber hinaus wird in Japan mit einer deutlichen Belebung der Industrieproduktion im Januar gerechnet, während die Einzelhandelsumsätze dort eher rückläufig eingeschätzt werden.

Ausblick

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 19. Februar 2021, soweit nicht anders angegeben.

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