Börsenrückblick und Ausblick

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 14.  bis 18. November 2022

Diese Woche: Märkte konsolidieren nach starker Vorwoche

Nach der ausgesprochen positiven Marktentwicklung in der vergangenen Woche kam es in den letzten Handelstagen zu einer Konsolidierung. Auslöser hierfür waren mal wieder die Notenbanken, insbesondere die US-Währungshüter. Nachdem viele Marktteilnehmer in den weniger stark gestiegenen US-Inflationszahlen den Wendepunkt in der geldpolitischen Ausrichtung gesehen hatten, fühlten sich gleich mehrere Fed-Mitglieder zu einer Korrektur genötigt. Der Chef der Atlanta Fed, Raphael Bostic, etwa sprach davon, dass es noch einiger Zinserhöhungen bedarf. Einige wohlgemerkt und nicht mehr nur noch einen Zinsschritt im Dezember, wie von vielen Marktteilnehmern zuletzt vermutet. Gegen Ende der Woche blies der Chef der St. Louis Fed, James Bullard, ins gleiche Horn. Er äußerte sich dahingehend, dass die Zielrate – also das Niveau, auf dem die US-Notenbank ihre Zinserhöhungen beenden wird – seiner Meinung nach irgendwo zwischen fünf und sieben Prozent liegt. Aktuell könne er sich einen Wert von 5,00 bis 5,25 Prozent vorstellen. Das würde noch mindestens zwei Zinsschritte von jeweils 50 Basispunkten nahelegen.

US-Konjunkturdaten fallen besser als erwartet aus

Passend dazu fielen dann auch einige US-Konjunkturdaten besser als erwartet aus. Als ein guter Indikator für Hinweise auf eine mögliche drohende Rezession gelten dabei die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe. Diese sind gegenüber der Vorwoche leicht gefallen und befinden sich auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Recht deutliche Spuren der aktuellen Zinspolitik sind am US-Häusermarkt auszumachen. Die höheren Zinsen haben zu einer spürbar geringeren Nachfrage nach Einfamilienhäusern geführt. Letztlich fiel der Rückgang aber moderater als angenommen aus. Bei Mehrfamilienhäusern sind hingegen kaum Bremsspuren erkennbar. Dies könnte zu einem Überangebot führen und damit zu einem späteren Zeitpunkt über rückläufige Mieten die Inflation senken.

Neuer Haushaltsplan in London vorgestellt

Der neue britische Finanzminister Hunt präsentierte seinen Haushaltsplan in London. Vor wenigen Wochen hatte sein Vorgänger Kwasi Kwarteng ein umfangreiches Steuersenkungs- und Konjunkturpaket vorgestellt, das er zusammen mit der inzwischen ebenfalls zurückgetretenen Premierministerin Liz Truss geschnürt hatte. Hunt kassierte diese Pläne nun fast vollständig ein, nachdem diese für Unruhe am Finanzmarkt gesorgt hatten. Über Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen sollen 55 Milliarden Pfund eingespart werden, die das zuvor angekündigte Konjunkturpaket in Höhe von 52 Milliarden Pfund entsprechend finanzieren würden.

Raketeneinschlag in Polen verunsichert nur kurz

Die Nachricht vom Einschlag einer Rakete russischer Bauart in Polen sorgte kurzzeitig für eine Schockwelle am Kapitalmarkt. Sichere Anlagen waren daraufhin gesucht, Aktien verloren an Boden und der Polnische Zloty wertete ab. Schnell machte die Frage die Runde, ob dies ein Angriff auf die Nato sei. Viele der wichtigen Staats- und Regierungschefs weilten jedoch gerade anlässlich des G20-Gipfels gemeinsam in Indonesien und reagierten sehr besonnen. Die USA gaben schnell bekannt, dass es Hinweise auf eine vermutlich fehlgeleitete Rakete aus der Ukraine gebe, was sich später auch bestätigte. Dementsprechend erholten sich die Märkte schnell wieder von dem Schreck. Das Unglück an der Grenze zur Ukraine hätte es dennoch nicht gegeben, wenn Russland nicht den Krieg begonnen hätte, so das Urteil der Nato nach einem eilig ein einberaumten Treffen.

Rohstoffpreise geben nach

Deutliche Preisrückgänge waren in dieser Woche an den Rohstoffmärkten zu beobachten. Die Nachricht, dass China über Lockerungen der Corona-Beschränkungen nachdenkt, hatte in der letzten Woche zu einem starken Kursanstieg bei Industriemetallen geführt. Gerade Kupfer gilt als ein wichtiges Konjunkturbarometer. Ähnlich wie bei Aktien und Renten kam es auch hier zu einer Korrektur. Der Kupferpreis ermäßigte sich um sechs Prozent zur Vorwoche. Ein ebenso großer Rückgang war auch beim Ölpreis festzustellen. Nachfragesorgen drückten den Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent auf 90 US-Dollar. Viele Autofahrer dürften dies in dieser Woche sehr wohlwollend an der Preistafel ihrer Tankstelle beobachtet haben.

Diese Woche

  • Diese Woche: Märkte konsolidieren nach starker Vorwoche
  • Aktien: Kurse trotzen hoher Bewertung
  • Renten: Währungshüter kündigen weiter restriktiven Kurs an
  • Ausblick: Wichtige Frühindikatoren dürften schwach bleiben

Aktien: Kurse trotzen hoher Bewertung

An den Aktienmärkten kam es zu einer kleinen Verschnaufpause. Die Berichtssaison zum dritten Quartal fiel weniger schlecht aus als befürchtet. Dennoch waren die Gewinne rückläufig und mit den zuletzt gestiegenen Kursen sind inzwischen wieder recht ambitionierte Bewertungsniveaus erreicht. Dies sollte eigentlich auf den Aktiennotierungen lasten, erst recht, wenn man die schwachen Wachstumszahlen im Hinterkopf hat. Warum also fallen die Kurse dann nicht? Hier gilt die alte Weisheit, dass an den Märkten vor allem Erwartungen gehandelt werden und der Markt der tatsächlichen Entwicklung rund sechs Monate voraus ist. Gut möglich also, dass die Notenbanker vorerst noch restriktiv bleiben, doch werden sie dies auch noch in sechs Monaten sein?

In den USA verloren die großen Indizes leicht an Wert. Für den marktbreiten S&P 500-Index ging es im Wochenvergleich 1,2 Prozent abwärts. Der Dow Jones gab 0,6 Prozent nach. Im Euroraum konnten Aktien hingegen erneut leicht zulegen. Für den DAX-Index ging es 1,3 Prozent aufwärts. Der breit diversifizierte STOXX Europe 600-Index trat jedoch auf der Stelle. Mit Blick auf die einzelnen Sektoren litt die Immobilienbranche besonders unter der Erwartung weiter steigender Leitzinsen und büßte 4,3 Prozent ein. Auch der Einzelhandelssektor schloss 3,2 Prozent schwächer. Gesucht waren im Gegenzug Versorger sowie Titel von Banken und Versicherungen, die jeweils um rund zwei Prozent zulegen konnten.

Renten: Währungshüter kündigen weiter restriktiven Kurs an

Aufgrund der schon erwähnten Kommentare der Notenbanker wurden am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve mögliche weitere Leitzinserhöhungen wieder eingepreist. Die Rendite von zweijährigen US-Schatzanweisungen bewegte sich erneut an die Marke von 4,5 Prozent heran. Auch am langen Ende kam es zu Renditesteigerungen. Diese fielen mit Blick auf die wachsenden Konjunkturrisiken jedoch geringer aus. Per Freitagmittag lag die Rendite bei rund 3,8 Prozent. Damit wurde die US-Zinskurve noch inverser als zuvor und erreichte hier mit knapp 70 Basispunkten den höchsten Wert seit 40 Jahren.

Eine ganz ähnliche Entwicklung war auch im Euroraum zu beobachten. Zweijährige Bundesanleihen rentieren aktuell bei 2,17 Prozent und damit zehn Basispunkte höher als die langlaufenden Papiere.

Swap-Spreads fallen wieder

Über Monate hinweg waren die Swap-Spreads deutlich angestiegen. Die höhere Prämie belastete Unternehmensanleihen und Pfandbriefe gleichermaßen und waren Ausdruck einer Knappheit an Sicherheiten. Seit einiger Zeit kommt diese Prämie nun wieder zurück und begünstigt so auch die Wertentwicklung von Unternehmensanleihen. Deutschland dürfte im kommenden Jahr mehr Bundesanleihen als erwartet ausgeben. Darüber hinaus wird die Europäische Zentralbank vielleicht schon im ersten Quartal 2023 mit dem Bilanzabbau beginnen. Durch den Verkauf der Papiere aus dem Bestand der Zentralbank dürften den Marktteilnehmern dann wieder mehr Bundesanleihen zur Verfügung stehen. Diese sind deshalb so beliebt, weil sie gerne als Sicherheit für Refinanzierungsgeschäfte gegenüber der Zentralbank eingesetzt werden.

Ausblick auf die kommende Woche: Wichtige Frühindikatoren dürften schwach bleiben

In der kommenden Woche werden wichtige Frühindikatoren veröffentlicht, die Aufschluss darüber geben können, wie sich die weitere wirtschaftliche Lage entwickelt. In gleich mehreren Ländern werden die Einkaufsmanagerindizes präsentiert. Volkswirte gehen von weitgehend unveränderten Umfragewerten auf einem niedrigen Niveau aus. Gerade im Euroraum befinden sich die Werte bereits deutlich unterhalb der Wachstumsschwelle. Im weiteren Wochenverlauf folgt dann noch der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex. Die Beurteilung der aktuellen Lage dürfte hier erneut schwächer ausfallen.

In den USA wird noch mit Spannung das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank erwartet. Dies könnte Aufschluss über den weiteren Zinspfad geben.

Ausblick

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 18. November 2022, soweit nicht anders angegeben.

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