Börsenrückblick und Ausblick

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 7.  bis 11. November 2022

Diese Woche: Große Erleichterung nach US-Inflation

Die Augen der Marktteilnehmer richteten sich in dieser Woche klar auf die USA, dem größten und wichtigsten Kapitalmarkt der Welt. Von dort kamen gute Nachrichten, die letztlich dazu führten, dass viele Anleger weitaus risikofreudiger agierten. Im Ergebnis dessen kam es sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen zu deutlich steigenden Notierungen.

Trump mit Niederlage bei den US-Zwischenwahlen

Der Ausgang der US-Zwischenwahlen ist noch nicht vollständig geklärt. Es sieht jedoch danach aus, dass die Republikaner am Ende eine sehr knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus auf sich vereinen können. Das Rennen im Senat wird aller Voraussicht nach erneut in die Verlängerung gehen: Bei der Stichwahl in Georgia am 6. Dezember wird mit einem Sieg des demokratischen Kandidaten gerechnet. An der aktuellen Konstellation im Senat würde sich dadurch nichts ändern (50 demokratische und 50 republikanische Senatoren plus die Vizepräsidentin als zusätzliche demokratische Stimme). Im Ergebnis also eine geteilte Regierung. Direkte Kapitalmarktauswirkungen sind bei dieser Konstellation nicht zu erwarten und so atmeten viele Anleger nach den Wahlergebnissen erleichtert auf. Wichtige Änderungen und Reformen müssen von beiden Kammern verabschiedet werden. Zwar droht nun eine gegenseitige Blockadepolitik, doch Stillstand auf der Gesetzgebungsseite ist eine Situation, die dem Kapitalmarkt in der Regel gefällt.

Es gibt aber durchaus wichtige Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Wahl. Im Vorfeld wurde der Urnengang zu einer Abstimmung über die Demokratie erklärt. Hier muss man klar sagen, dass die Demokratie gesiegt hat. Den Republikanern wurden in vielen Staaten aussichtsreiche Chancen eingeräumt, das Mandat zu gewinnen. Die ersten Zwischenwahlen eines neugewählten Präsidenten sind immer ein Referendum über seine bisherige Amtszeit. Dieses Referendum endet fast immer mit herben Verlusten für die regierende Partei. Doch Trump und seine Anhänger spielen in der republikanischen Partei noch immer eine wichtige Rolle. Und so war es der Ex-Präsident, der mit seiner Kandidatenauswahl einen sicher geglaubten Sieg verspielt hat. Er ist der erste Präsident seit Herbert Hoover, dessen Partei in nur vier Jahren das Repräsentantenhaus (2018), den Senat (2020) und das Präsidentenamt (2020) verloren hat. Mit der Niederlage bei diesen Zwischenwahlen haftet Trump nun das Image eines Verlierers an. Es darf davon ausgegangen werden, dass er 2024 wohl nicht als Präsidentschaftskandidat in das Rennen ums Weiße Haus für die Republikaner gehen wird. Hier hat sich vielmehr der Gouverneur von Florida – Ron DeSantis – mit seinem Erdrutschsieg als wahrscheinlichste Alternative bestens positioniert.

US-Inflation kommt stärker als erwartet zurück

Kaum eine anderer Datenpunkt findet in diesen Tagen so große Aufmerksamkeit wie die Inflation. Am Donnerstag wurde die US-Teuerungsrate für Oktober vorgelegt. In den Monaten zuvor schwächte sich der Preisdruck zwar leicht ab, jedoch nicht ausreichend stark, um von einer Trendwende zu sprechen. Nach einem Zuwachs im Jahresvergleich von 8,2 Prozent im September gingen Analysten im Vorfeld von einem Rückgang auf 7,9 Prozent aus. Tatsächlich betrug der Preisanstieg sogar „nur“ 7,7 Prozent. Auch bei der um die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise bereinigten Kernrate kam es zu einem Rückgang von 6,6 Prozent auf 6,3 Prozent, erwartet waren hier 6,5 Prozent. Der Kapitalmarkt reagierte nahezu euphorisch auf diese Daten, obwohl die Markterwartung jeweils nur um 0,2 Prozentpunkte unterboten wurde. Bei der monatlichen Preisveränderung war es jedoch der geringste Wert seit mehr als einem Jahr und Anleger verbinden damit nun die Hoffnung, die US-Notenbank könnte weniger aggressiv die Leitzinsen anheben. Positiv war auch anzumerken, dass der Preisdruck in der Breite abnahm und nicht auf wenige einzelne Positionen im Warenkorb zurückzuführen war. Bis zu einer Normalisierung der Inflationsraten dürfte es jedoch noch eine Weile dauern und parallel dazu trübt sich der konjunkturelle Ausblick für die US-Wirtschaft immer weiter ein.

In den letzten Monaten kämpften wir mit dem denkbar schlechtesten Umfeld für Anleger in Form von rückläufigen Wachstumserwartungen bei zugleich steigender Inflation. Schwaches Wachstum bei abnehmendem Preisdruck ist so gesehen zwar kein sonderlich rosiges Marktumfeld, aber verglichen mit demjenigen der letzten Monate sehr wohl eine Verbesserung.

Chinas Pläne zur Lockerung der Zero-Covid-Politik nehmen Gestalt an

Die Gerüchte um eine Lockerung der Corona-Beschränkungen in China reißen nicht ab. Inzwischen wurden auch schon konkretere Maßnahmen bekannt. So sollen dann auch die Quarantänedauer verkürzt werden und weniger strenge Beschränkungen für Kontaktpersonen gelten. Damit sind ähnliche Maßnahmen in Planung, wie wir sie vor einiger Zeit auch bei uns in Deutschland gesehen hatten. Bislang handelt es sich hierbei jedoch ausschließlich um Pläne. In einigen Regionen sind die Fallzahlen inzwischen wieder so hoch wie im Sommer in Shanghai, als die Stadt komplett abgeriegelt wurde. Wir rechnen daher frühestens im März mit einer Umsetzung.

Diese Woche

  • Diese Woche: Große Erleichterung nach US-Inflation
  • Aktien: Anleger euphorisch – Aufwärtstrend setzt sich fort
  • Renten: Renditen kommen deutlich zurück
  • Ausblick: Viele Daten aus der zweiten Reihe

Aktien: Anleger euphorisch – Aufwärtstrend setzt sich fort

Weltweit setzten die Aktienmärkte ihren Aufwärtstrend in der letzten Woche fort. Unmittelbar nach Bekanntgabe der US-Inflation zogen die Notierungen noch einmal kräftig an. Dabei übersprang der DAX-40-Index erstmals seit Anfang Juni wieder die Marke von 14.000 Punkten. Zum Vergleich: Anfang Oktober notierte der deutsche Leitindex noch knapp unterhalb von 12.000 Zählern. Auf Wochensicht bedeutet dies einen Zuwachs von fast sechs Prozent. In den USA kletterte der breit diversifizierte S&P 500-Index um fünf Prozent nach oben. Die höheren Zinsen belasteten in den letzten Monaten vor allem Wachstumswerte. Dementsprechend fiel die Gegenreaktion im technologielastigen NASDAQ-Index mit einem Aufschlag von sieben Prozent auch stärker aus. Das gleiche Bild zeigt sich ebenfalls bei der Betrachtung der einzelnen Branchen des STOXX Europe 600-Index. Hier führen Technologiewerte die Gewinnerliste mit einem satten Plus von 14,2 Prozent an. Es folgen – ebenfalls zweistellig – Aktien aus dem Immobiliensektor mit einem Zuwachs von 11,3 Prozent. Die höheren Zinsen führten zuletzt zu einem drastischen Nachfrageeinbruch in der Branche. Rote Vorzeichen gab es nur bei Öl- und Gaswerten. Das anhaltend warme Wetter, volle Lagerbestände und schwache Wirtschaftsdaten hatten den Ölpreis erneut unter Druck gebracht. Ein Fass der Sorte Brent kostet nun wieder weniger als 100 US-Dollar. (Stand der Daten: Freitagmittag)

Unternehmensdaten werden unterschiedlich aufgenommen

Der Schweizer Luxusgüterhersteller Richemont, unter anderem bekannt für seine Marken Cartier und Montblanc, konnte seine Umsätze im vergangenen halben Jahr deutlich steigern. Hierfür war vor allem die Nachfrage nach Schmuck und Uhren verantwortlich. Die Aktie reagierte mit einem kräftigen Kurssprung von zunächst rund 20 Prozent. Aufgrund der steigenden Preise und der Kaufzurückhaltung vieler Konsumenten war nicht von derart stabilen Umsätzen auszugehen.

Gute Zahlen präsentierte auch die Deutsche Telekom. Für den DAX-Konzern erweist sich vor allem die US-Sparte als sehr gewinnbringend. Als defensiver Wert konnte die Telekom-Aktie seit Jahresbeginn sogar gegen den Trend zulegen. Anleger hatten aber auf noch höhere Gewinne gehofft. In Europa dürfte aber die Energiekrise ein wenig belastet haben. Zwar erhöhte der Konzern die Dividende um zehn Prozent, doch auch hier hatten sich Investoren mehr versprochen. Die Aktie verlor daher am heutigen Freitag im Nachgang der Quartalszahlen mehr als drei Prozent.

Renten: Renditen kommen deutlich zurück

Auch am Rentenmarkt lösten die US-Inflationszahlen größere Marktbewegungen aus. Die Rendite zehnjähriger US-Schatzanweisungen ermäßigte sich von 4,2 Prozent am Dienstag auf knapp 3,8 Prozent zu Handelsschluss am Donnerstag. Zweijährige Papiere handelten am Dienstag noch bei einem Renditeniveau von mehr als 4,7 Prozent. Nach der Vorlage der Inflationszahlen begannen die Marktteilnehmer aber damit, mögliche weitere Zinsschritte der US-Notenbank Fed auszupreisen. Zwischenzeitlich fiel die zweijährige Rendite am Donnerstag unter die Marke von 4,3 Prozent.

Im Schlepptau der US-Märkte vollzogen Bundesanleihen eine ähnliche Entwicklung, auch wenn die Preise in Deutschland noch nicht auf dem Rückzug sind. Im globalen Kontext ist klar, wenn die US-Notenbank Fed weniger restriktiv vorgeht, dann tut dies vermutlich auch die Europäische Zentralbank (EZB). Erst recht, wenn sich die europäische Wirtschaft in einem stärkeren Abschwung befindet. Da die EZB aber wohl zunächst noch weiter an der Zinsschraube wird drehen müssen, sich gleichzeitig aber die Konjunkturaussichten immer weiter eintrüben, kam es zu einem ausgeprägteren Renditerückgang am langen Ende der Zinsstrukturkurve. Das Ergebnis ist nun eine inverse Kurve im Euroraum.

Höhere Risikobereitschaft sorgt für rückläufige Spreads

Viele Anleger trauten sich in dieser Woche wieder stärker ins Risiko. Die hohe Nachfrage sorgte somit für rückläufige Risikoaufschläge. Anleihen aus den Peripherieländern entwickelten sich daher noch freundlicher als Bundesanleihen. Die Renditedifferenz zu Italien betrug kurzzeitig nur noch 200 Basispunkte. Vor der Wahl hatte diese noch bei mehr als 250 Basispunkten gelegen. Auch Unternehmensanleihen waren in diesen Tagen stark gesucht. Broker boten nur wenige Papiere zum Kauf an, was die Preise noch zusätzlich in die Höhe trieb. Papiere aus den Schwellenländern profitierten ebenso von den rückläufigen US-Renditen. Die Anlageklasse verzeichnete insgesamt aber noch weitere leichte Abflüsse.

Ausblick auf die kommende Woche: Viele Daten aus der zweiten Reihe

Der Datenkalender der kommenden Woche ist zwar vollgepackt, es werden aber viele Zahlen aus der zweiten Reihe veröffentlicht. Am Dienstag wird der ZEW-Index etwas besser als zuletzt erwartet. Hier dürfte sich die gute Stimmung am Kapitalmarkt auch in den Prognosen der Anlysten niederschlagen. In den USA werden vor allem aktuelle Daten zur Lage am Immobilienmarkt präsentiert.

Von politischer Relevanz dürfte der G20-Gipfel werden. Am Rande des Treffens ist auch ein Gespräch zwischen US-Präsident Biden und Chinas Staatschef Xi geplant. Hierbei dürfte es vor allem darum gehen, dass sich die Fronten zwischen beiden Ländern nicht noch weiter verhärten.

Ausblick

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